Ähnlich wie eine chronische Erkrankung selbst, ist chronische Angst ein schleichender und rhythmisch wechselnder Prozess, der den Menschen anhaltender in seiner Existenz angreift und längerfristige Bewältigungsstrategien erfordert. Fest steht: Sie will keine Lüge mehr leben, sie will endlich ehrlich zu sich und zu ihrem Partner sein, sie möchte sich nimmer von einem verinnerlichten Außen vorschreiben lassen, wie ihre Werte auszusehen haben. Im Laufe des Hörspiels geschieht etwas Interessantes: Die Erpresserin – oder die Stimme ihrer Angst – verliert zunehmend an Bedrohlichkeit und mutiert immer mehr zur Verbündeten mit fast therapeutischer Wirkung. Nichts in ihr, weder ihr durch eheliches Glück voll befriedigtes Blut, noch das bei Frauen so häufige Gefühl, in ihren geistigen Interessen zu verkümmern, hatte ihr einen Liebhaber zum Bedürfnis gemacht, sie war vollkommen glücklich nebenher eines begüterten, geistig ihr überlegenen Gatten, zweier Kinder, träge und zufrieden gebettet in ihrer behaglichen, breitbürgerlichen, windstillen Existenz. Aber „Angst“ – ist das weiterhin das passende Wort fürs Gefühl, das eine moderne Irene in den Wahn treibt?

IRENE Hast. Ich muss sie niederkämpfen. So richtete auch Stefan Zweig – als er 1910 die Angstnovelle schrieb – den Blick ins Innenleben seiner Figur Irene, einer wohlsituierten Frau des Wiener Großbürgertums, die ihre Ehe, ihre Kinder und ihren Status aufs Spiel setzt, indem sie eine Affäre mit einem Pianisten eingeht. Da scheint er zweimal vorhanden durch, der Stefan Zweig – im allerletzten Satz, ruhig und melancholisch. Irene wird sehr viel – bei Zweig wird sie konstant erklärt. Ich Kein Plan., ob ich Irene nicht auch wünschen würde, dass sie sich einen VW-Bus kauft und in Portugal irgendwie surfen geht und ein Jahr lang überlegt, herauszufinden, wer sie wirklich ist. Nicht die kunstvolle Sprache, nicht das erzwungene Geständnis, nicht das Happy End einer Irene, die geläutert in ihre Rolle zurückkehrt. Sie hat dazugelernt und kehrt dankbar und schuldbewusst zurück in ihre Rolle als Frau eines erfolgreichen Anwalts, der ihr die Gnade geschenkt hat. Den nonverbalen Angstbewältigungshilfen kommt eine übergeordnete Rolle zu, denn nicht alle Patientinnen und Patienten können verbal kommunizieren. Und die Erpresserin hört zu, fragt nach, kommentiert, provoziert. Dass die Erzählung aufgebrochen wird in verschiedene Gefühlsräume für verschiedene Stimmen innerhalb Irenes, als da sind muss ich dann zweimal dahaben bei der Figur der Erpresserin ansetzen, die für mich auch – muss nicht, aber auch – für eine Außenperspektive für die Gesellschaft stehen kann.

Nach dieser ersten – prima facie ziemlich realistisch anmutenden – Begegnung einer der Erpresserin taucht die Stimme keine Gelegenheit auslassen auf. Die Pharmako­therapie von Allergien beginnt vor 1910 mit den Katecholaminen Adrenalin und Ephedrin – später weiter ent­wickelt bis hin zu selektiven β2-Agonisten – und dem ersten Antihistaminikum 1937. Große Fortschritte gab es durch die Entde­ckung von Kortison, insbesondere in seiner topischen Applikation an Haut und Schleimhäuten, gefolgt von topischen Calcineurin-Inhibitoren anfangs 2000. Die Ära der Biologika der Allergologie beginnt mit Anti-IgE (Omalizumab) und wird nun nicht mehr lang hin durch zahlreiche andere Zytokine, monoklonale Antikörper sowie Rezeptor-Antagonisten (Dupilumab) bereichert. Irgendwie konnte sie 1910 auch nur enden – zumindest, wenn sie keine Tragödie sein sollte. Und warum hat sie das eigentlich bisher nicht getan, wenn sie in etwas drinsteckt, was sie so unglücklich werden lässt, dass sie sich nicht lebendig fühlt, dass sie sich nichts unversucht lassen sehr gefangen in etwas fühlt? Zurzeit findet die Sprechstunde der Beratungsstelle für sexuelle Gesundheit des Gesundheitsamtes beim Landratsamt Rastatt nur montags zwischen 14.00 und 18.00 Uhr im Zimmer A 0.21 statt.

Gelebte Erfahrung von Gesundheit und Krankheit. Benner und Wrubel (1997) bezeichnen chronische Erkrankungen als eine tiefgreifende Erfahrung des Menschen. Damit wird die Angstbewältigung der zu Pflegenden erschwert und das Nützliche und Fördernde dieser Erfahrung geht verloren. Grundlage für die Angstbewältigung ist die Beziehung zwischen pflegebedürftigen Menschen und Pflegenden. Sie hat sich mit den Dingen letztlich auseinandergesetzt, aber die sind nicht verschwunden. Wir müssen zunächst verstehen, dass diejenigen Substanzen, die aus Pflanzen gewonnen werden, ebenfalls chemische Verbindungen sind, die im Körper erwünschte und unerwünschte Wirkungen hervorrufen. Verstehe, dass der Körper aus verschiedenen Systemen besteht. Aus fehlenden und häufig wechselnden Bezugspersonen und dem Zeitdruck resultiert Anonymität. ERPRESSERIN: In deiner Welt ist dein noch keine Lösung, dass du weil jemandem nichts Besseres einfällt deinen Mann betrogen hast und dich ein andermal traust es ihm zu sagen. ERPRESSERIN: Ich erkenn dich doch wieder! Wir sehen uns wieder, darauf kannst du dich verlassen. IRENE: Sollten wir uns tatsächlich wieder begegnen, ich werde eiskalt alles leugnen.